Was ist eigentlich Fußballfitness? – Athletik, Kondition, Fitness – über was sprechen wir dabei und wie werden unsere Spieler wirklich „fitter“?

Kurz vorab: Die Idee zu diesem Artikel stammt lieferte der Blog-Artikel „What is football fitness“[1] von Raymond Verheijen. Sicherlich gibt es dazu unterschiedliche  Ansichten und es sicherlich wurden auch schon Meisterschaften mit anderen Trainingsansätzen gewonnen, aber wir möchten doch auf Basis dieses Artikels und der objektiven „Football Action Theory“ unsere Interpretation von Fußballfitness vorstellen und dabei verschiedene bestehende Trainingsansätze kritisch hinterfragen und bezogen auf die Ausbildung von Fußballspielern einordnen.

Bei der Internetsuche zu den Begriffen  „Fußballfitness“ oder „Fußballathletik“ stößt man sehr schnell auf eine Vielzahl von (Online-)Trainingsprogrammen, die zunächst mit Slogans und Versprechen werben wie „Trainieren wie die Profis“, „Laufen all deinen Gegenspielern davon“ oder einfach „Steigere deine Leistung auf dem Platz mit unserem Programm“ – klickt man sich in diese Programme ein, findet man eine schier endlose Anzahl an mehr oder weniger bekannten Fitnessübungen vom bekannten Unterarmstütz bis zum  neuerdings immer wieder angepriesenen Burpees. Doch trainieren so wirklich die Profis? Machen diese Übungen unsere Fußballspieler wirklich fitter? Und überhaupt: Was genau bedeutet „fitter“ eigentlich?

Beginnen wir mit der Frage, ob Profis tatsächlich mit Hilfe dieser Übungen trainieren.

Die Antwort lautet: JA. Immer wieder präsentieren Vereine oder einzelne Spieler Trainingsinhalte in den sozialen Netzwerken – und man sieht hier Spieler mit den aufgeführten Übungen trainieren. Klar, dass pfiffige Marketing- „Experten“ diese Videos oder Bilder nutzen, die Übungen aus ihrem Kontext lösen, in „ihr“ Programm verpacken und als „…wie die Profis“ verkaufen. Aber genau dieser Kontext, in dem die diversen Übungen eingesetzt werden, ist das Entscheidende bei der Planung eines effektiven Trainingsprogamms.

  • Warum macht ein Spieler diese Übungen?
  • Wann macht ein Spieler diese Übungen?
  • Wie viele Wiederholungen macht ein Spieler?
  • Wird der Spieler durch diese Übungen auch hinsichtlich seiner spezifischen Anforderungen besser?

Diese grundlegenden Fragen sind nur einige Beispiele für die Überlegungen, die ein Trainer bei seiner Trainingsplanung berücksichtigen sollte, um das bestmögliche Programm für einen Spieler zu kreieren. Ebenso spielen Alter und Geschlecht genauso eine Rolle wie das Trainingsalter, die Trainingserfahrung, das Trainingsniveau, die Trainingshäufigkeit und die die zeitlichen und mentalen Ressourcen des Athleten – und letztlich auch nicht zu vergessen: die Position des Spielers und die Spielidee des Fußballtrainers. Jedes Trainingsprogramm ist also individuell – in einem Profi-Verein arbeiten verschiedene Experten mit den Spielern zusammen und es werden Unmengen von Daten zu jedem Spieler erhoben. Das Training gehört zum Beruf der Spieler – das heißt, die Profis haben ganz andere Voraussetzungen als ein Amateur, der neben seinem normalen Beruf einem sportlichen Hobby nachgeht. Das bedeutet gleichwohl, dass das Werbeversprechen „Trainieren wie die Profis“ per se schon nicht funktionieren kann – denn Amateure sind keine Profis und sollten auch nicht wie diese trainieren. Vielmehr sollten sie basierend auf allgemein gültigen Trainingsprinzipien trainieren, die ihren individuellen internen und externen Faktoren bestmöglich angepasst werden. Ein Online-Training oder eine App, die für alle Spieler das gleiche Training anbietet, kann dementsprechend nicht oder höchstens für einen kleinen Teil der Spieler funktionieren.

Steigern Übungen wie der Unterarmstütz oder ein Burpee die fußballspezifische Leistungsfähigkeit?

Diese Frage erfordert zunächst einmal eine Definition von Fitness. Was heißt eigentlich „Fitness“ bzw. „Fußballfitness“? Dafür dient uns „Football Action Theory“ von Raymond Verheijen als Grundlage.[2]

In diesem Zusammenhang unternehmen wir einen kurzen Exkurs zu Raymond Verheijen:

Der Niederländer hat Exercise Physiology and Sport Psychology studiert. Er war als Assistenztrainer an vier Welt- und vier Europameisterschaften dabei und war bei mehreren europäischen Top-Clubs wie z.B. dem FC Barcelona, Chelsea London oder auch Zenit St. Petersburg tätig. Verheijen gilt als einer der führenden Experten für „Football Fitness“ und bietet seit mehreren Jahren mit Football Coach Evolution weltweit hochklassige Fortbildungen an.

 Die Football Action Theory wird u.a. in Verheijens Buch „Football Periodization“[3] und dem o.g. Blog-Artikel näher vorgestellt. Die Theorie beruht auf einfachen und nachvollziehbaren sowie wissenschaftlich fundierten Grundprinzipien, die das Fußballspiel logisch und allgemein gültig erklären.

Zerlegt man Fußball in seine Einzelteile, so besteht das Spiel aus einer Aneinanderreihung von Fußballaktionen.  Eine Fußballaktion ist eine Bewegung, die mit ihrer Umgebung interagiert, also eine INTERaktion. Beispiele für solche Fußballaktionen sind u.a. das Dribbling und das Passen. Das Gegenteil zu einer Aktion ist eine Bewegung, die in keinerlei Interaktion mit der Umgebung steht. Ein Beispiel dafür ist ein Sprint ohne Ball und ohne taktischen Kontext, also ein Sprint, der nichts mit Fußball zu tun hat.

Die Idee der „Football Action Theory“ besteht demnach darin, dass erst der fußballspezifsche Kontext eine Bewegung überhaupt relevant macht. Daraus resultierend müssen sich im Training eben genau diese Aktionen und nicht die aus der Aktion herausgelösten Bewegungen wiederfinden.

Bezeichnen wir eine Fußballaktion als x und eine Zeiteinheit ohne Aktion als –, so lässt sich ein Fußballspiel schematisch wie folgt darstellen:

Fußball = x – x – x —- x –x —- x —— x — x —-x —- x

Fußball ist also eine intermittierende Sportart, deren Dauer durch das Regelwerk vorgeben und unveränderbar ist (i.d.R. 90 min Spielzeit). Für das Training bedeutet dies vereinfacht erklärt, dass man zum einen „bessere“ Aktionen und zum anderen häufigere Aktionen erreichen muss. Fußball ist zwar von der Ausdauer beeinflusst, wird aber nicht von ihr bestimmt. Da die Dauer (Spielzeit) gleichbleibend ist, geht es im Rahmen einer Leistungssteigerung darum, sowohl die Intensität als auch die Häufigkeit der Aktionen zu erhöhen.

Geht man nun genauer auf eine Aktion ein, besteht diese laut Verheijen wiederum aus drei Komponenten. (Hinweis: Das Spielkompetenz-Modell von Prof. Dr. Dr. Matthias Lochmann von der Friedrich-Alexander-Universität besteht aus ähnlichen, aber vier Komponenten)

Eine Fußballaktion setzt sich demnach aus Communication (C), Decision (D) und Execution (E) zusammen.

C, also die Kommunikation, beschreibt den taktischen Kontext bzw. das taktische Verhalten in einer Situation. Dabei ist jede Situation anders und beruht auf der Interaktion der eigenen Mitspieler, der Gegner, den taktischen Vorgaben sowie externen Faktoren wie Spielstand oder Spielzeit. Das taktische Verhalten ist demnach eine Teamfähigkeit, die von externen Faktoren beeinflusst wird. Daher kann ein Spieler allein per Definition nicht „taktisch gut“ sein.  Für die Trainingsableitung bedeutet dies also, dass das Training im Fußball immer einer Interaktion zwischen zwei oder mehr Spielern bedarf und somit per se nicht „online“ oder alleine trainiert werden kann.

D, also die Entscheidung, beschreibt vereinfacht das Spielverständnis des einzelnen Spielers beruhend auf seiner Wahrnehmung und Interpretation des taktischen Kontextes, es setzt also das C voraus. Der Spieler nimmt einen Reiz wahr, verarbeitet und interpretiert diesen und trifft nun eine Entscheidung. Für die Trainingsableitung folgt daraus, dass das Training im Fußball immer einen spezifischen Reiz voraussetzt, den der Spieler verarbeiten kann. In einem Online-Programm oder im Einzeltraining ist dieser Reiz nicht gegeben, die Entscheidung wird dem Spieler durch die Vorgaben „30 sek Unterarmstütz“ abgenommen oder durch eine einfache Entscheidungshandlung „Bei Rot nach rechts laufen“ suggeriert.

E, also die technische Ausführung, beschreibt nun das Ausführen einer Technik basierend auf der jeweiligenEntscheidung, die der Spieler getroffen hat. D.h. zum Beispiel, dass ein Spieler basierend auf dem taktischen Verhalten der anderen Akteure ein Passfenster wahrnimmt, dieses für sicher und sinnvoll interpretiert und sich nun dafür entscheidet, einen vertikalen Pass zu spielen. Die technische Ausführung muss nun entsprechend des Abstandes, der Position des Spielers auf dem Spielfeld und dem Verhalten der anderen Spieler umgesetzt werden, somit wird jede technische Ausführung nahezu einmalig. Wenn wir die technische Ausführung isoliert betrachten und ihr ein ideales Technikleitbild zuordnen, nehmen wir an, dass diese eher Ideal als praktisch sein sollte, bezieht man aber C und D in die Betrachtung mit ein, so wird schnell klar, dass das isolierte Einschleifen einer Technik keinerlei Bezug zum eigentlichen Ziel darstellt und daher eher ineffektiv ist. Auf das Fußballfitesstraining bezogen sollte der Leitspruch also nicht heißen „Train Movement not Muscles“ vielmehr heißen „Train Actions not Movements“.

C + D + E = F – Football Fitness

Geht man nun in der Football Action Theory weiter, beschreibt Fußballfitness nicht irgendeinen KPI (Key Performance Indicator) wie z.B. einen Laktaktwert oder einen Schnelligkeitswert oder die Anzahl irgendwelcher Burpees  – Fußballfitness beschreibt vielmehr die Fähigkeit einer Mannschaft und dem entsprechend auch eines Spielers, die taktischen Vorgaben des Trainers auf einem hohen Niveau und über 90+ Minuten aufrechtzuerhalten. Basierend auf der bisherigen Erklärung können wir Fußballfitness mit der Fähigkeit beschreiben, über die gesamte Spielzeit den Kreislauf von Kommunizieren, Entscheiden und Ausführen so häufig wie möglich (höheres Tempo) und so lange wie möglich (90 min +) auszuführen. Dieser Zyklus findet während eines Spiels übrigens ca. alle drei Sekunden statt.

Zusammenfassend kann ein Trainingsprogramm oder eine Übung nur dann als Fußball-Fitnesstraining bezeichnet werden, wenn diese den aufgeführten Kriterien entspricht. Schauen wir noch einmal zurück auf die Trainingsprogramme im Internet; in der Regel muss man leider feststellen, dass diese weder individuell aufgebaut sind, noch die Anforderungen an ein Fußballfitnesstraining erfüllen. Vielmehr umfassen diese Programme, wenn überhaupt, nur die technische Ausführung von Bewegungen, also das E – und selbst die technische Ausführung der vorgegebenen Übungen hat mit Fußballfitnesstraining nichts zu tun – oder haben Sie schon einmal einen Spieler auf dem Spielfeld einen Burpee oder mehrere Burpees machen sehen?

Haben Übungen wie der Unterarmstütz oder Sprünge also keine Daseinsberechtigung im Training mit Fußballern?

 Doch, selbstverständlich. Wir mögen einfache und leicht verständliche Konzepte und Prinzipien – wenn wir uns die sportliche Leistungsfähigkeit erklären, nutzen wir das dafür ein Modell des weltweit anerkannten Physiologen und S&C Trainer Gray Cook. Mit Hilfe der Performance Pyramide lassen sich die menschliche Leistungsfähigkeit und die dafür nötigen Bewegungsmuster einfach darstellen. Uns ist bewusst, dass dieses Modell sicherlich die ein oder andere wissenschaftliche Ungenauigkeit aufweist, trotzdem vermittelt sie sehr gut unser methodisches Vorgehen sowie die Bedeutung eines ganzheitlichen und mehrdimensionalen Trainingsansatzes.

Einfach erklärt, besteht die Performance Pyramide aus drei Rechtecken, die aufeinander aufbauen. Dabei bildet jeder Baustein eine bestimmte Kategorie von Bewegungsmustern ab. Wenn alle Bewegungsmuster dieser drei Bausteine optimal ausgebildet sind, ergeben sie eine Pyramide, an deren Spitze die sportartspezifische Leistungsfähigkeit steht – hier findet sich also die Football Action Theory wieder.

Der unterste Baustein der Pyramide repräsentiert die fundamentalen Bewegungsmuster und die Fähigkeit des Spielers, sich innerhalb dieser Bewegungsmuster frei zu bewegen. Zu diesen fundamentalen Bewegungsmustern zählen z. B. Kniebeugen, Ausfallschritte und Rotationsbewegungen, aber auch Basisfähigkeiten, wie eine ausreichende Mobilität oder eine optimale motorische Kontrolle – für die Trainingsableitung bedeutet dies also auch, dass sehr wohl isolierte Bewegungen wie der Unterarmstütz oder ähnliches durchgeführt werden können.

Der zweite Baustein repräsentiert die „Functional Performance“, eine unspezifische Form der Bewegungseffizienz. Wenn ein Spieler in der Lage ist, sich ohne Einschränkungen zu bewegen, beinhaltet dieser Baustein nun die Fähigkeit, in diesen Bewegungen auch Power zu generieren. Grundlage dieses Bausteins bilden die auch in der klassischen Sportwissenschaft bekannten konditionellen Fähigkeiten. Sie lassen sich zum Beispiel durch Kraft-, Ausdauer- oder Plyometrietraining steigern.

Der dritte und letzte Baustein repräsentiert die „Functional Skills“, also die sportartspezifische Leistungsfähigkeit, welche sich in der Bewältigung der zuvor beschriebenen Anforderungen ausdrückt und die beschriebenen Komponenten C, D und E enthält.

Nimmt man also die Pyramide als Grundlage jeder Leistung, so bildet eine ausreichende Beweglichkeit (Flexibilität und Mobilität), genügend Stabilität und motorische Kontrolle sowie eine gute Balance/Propriozeption die Basis der sportlichen Leistungsfähigkeit. Eine gutausgeprägte sportliche Leistungsfähigkeit ermöglicht dann eine hohe sportartspezifische Leistungsfähigkeit. Dieses Vorgehen nennt man auch LTAD (Long Term Athletic Development) oder auch langfristigen Leistungsaufbau. Diese allgemeinen Voraussetzungen müssen bei vielen Spielern zunächst geschaffen werden. Dementsprechend unterteilen wir das Athletiktraining in einem nächsten Schritt in ein allgemeines und ein spezielles Athletiktraining, bevor eine Spezifizierung erfolgen sollte. Das US-amerikanische Sportsystem nutzt dieses Vorgehen eindrucksvoll – immer wieder gibt es Sportler, die aufgrund ihrer breiten und allgemeinen sportlichen Ausbildung so gute Voraussetzungen mitbringen, dass sie sich anschließend in mehreren Sportarten auf einem hochklassigen Niveau spezialisieren können. Eines dieser Beispiele ist Kyler Murray, der sowohl im NFL-Draft von den Arizona Cardinals als auch in Baseball-Profiliga MLB in Runde eins gedraftet wurde.

Es geht also nicht darum, ob allgemeine Übungen gut oder schlecht sind, vielmehr geht es darum zu wissen wann und warum ich welche Übung einsetze und mit welchen Leistungsversprechen ich werbe. Es gibt viele Studien dazu, dass z.B. die Rumpfkräftigung einen positiven Einfluss auf die Leistungsfähigkeit hat, dem entsprechend können Übungen zur Core-Stabilisation in der Entwicklung eines Spielers durchaus sinnvoll sein und sollten daher nicht grundsätzlich verurteilt werden – wie so oft macht die Dosis das Gift. Hinzu kommt die Übertragbarkeit auf den Sport; bei einer isolierten Übung wie dem Unterarmstütz fehlt nicht nur der vollständige Bezug zum Fußball (C – D – E), darüber hinaus findet die technische Ausführung auch in einer völlig falschen Arbeitsweise (statisch vs. dynamisch) und einer völlig falschen Position (beim Fußball stehen die Füße auf dem Boden) statt – dem entsprechend sollte der Anteil an solchen Übungen im Vergleich zu Fußballfitness – Übungen weitaus geringer ausfallen und eine richtige Einordnung stattfinden. Isolierte Fitnessübungen machen einen Spieler nicht zu einem besseren Spieler, dafür bedarf es das Spiel. Sie tragen jedoch durchaus zur physischen Entwicklung der Spieler bei.  Ein Werbeslogan sollte von daher besser lauten „Wir tragen zur deiner ganzheitlichen physischen Entwicklung bei!“ –  es ist allerdings anzunehmen, dass die Verkaufszahlen damit aber weitaus geringer wären.

Kommen wir abschließend noch einmal zum „Trainieren wie die Profis“ zurück – was heißt das eigentlich? Ja, wir haben festgestellt, dass ähnliche Übungen auch von Profis durchgeführt werden – aber entsprechen die beworbenen Trainingspläne wirklich denen der Profis, ist dies überhaupt möglich?

Bereits zu Beginn des Artikels sind wir kurz darauf eingegangen, dass ein Amateur und ein Profi sich in vielerlei Hinsicht unterscheiden. Vor allem verfügt ein Profi über eine ganze Armada von Spezialisten – da wären der ausgebildete Athletiktrainer, der Ernährungsberater, der Physiotherapeut, der Leistungsdiagnostiker, der Arzt und viele mehr, die gemeinsam mit dem Chef-Trainer für jeden Profispieler einen individuellen Plan konzipieren.

Im Internet sehen wir lediglich das „Was“, also was der Spieler für Übung macht, uns fehlt aber das „Wie“, also welche Überlegungen und Prinzipien stecken hinter der Trainingsplanung, noch wichtiger aber, es fehlt uns das „Warum“. Welche Glaubenssätze, Werte und Visionen fließen in den Trainingsplan ein? Wenn sog. Experten also Trainingsinhalte übernehmen, kopieren und für viel Geld verkaufen, entziehen sie die Übungen komplett aus dem Kontext. So wird aus dem Übungsprogramm allenfalls die schlechte Kopie, die für einen ganz anderen Spieler eine geeignete, weil individuelle Lösung bedeutete. Und diese Kopie sollen nun ein Amateur kaufen, um ein besserer Fußballer zu werden?

Eine weitere Frage, die zu stellen ist: Wer verkauft diese Pläne und woher wollen diese Anbieter wissen, wie Profis trainieren? Hierzu hat der weltweit anerkannte S&C Trainer Michale Boyle einen tollen Blog-Artikel[4] mit dem Thema Internet-Fame veröffentlicht, in dem er auch eine kleine Check-Liste zur Beurteilung der Glaubwürdigkeit von Internet-Experten erstellt, die wir hier frei übersetzt weitergeben wollen:

  • Ist der Anbieter tatsächlich einer der weltweit gefragten Experten auf irgendeinem Gebiet?
  • Verdient der Anbieter seinen Lebensunterhalt wirklich als Fußballfitnesstrainer oder verdient er seinen Lebensunterhalt mit dem Verkauf des Produktes?
  • Wie viele Spieler hat der Anbieter tatsächlich trainiert? Und vor allem wie viele waren davon Profis? Und auch wenn er mal einen Bekannten trainiert hat, der zufällig Profi war – hat der Anbieter jemals in einem professionellen Umfeld gearbeitet, um beurteilen zu können, wie ein Profi arbeitet?
  • Entspricht der Lebenslauf des Anbieters dem eines Profis? Trainingswissenschaft ist eine Teildisziplin der Sportwissenschaft, die in einem ganzen Studiengang gelehrt wird. Ernährungswissenschaft ist ein eigener Studiengang – d.h. hat der Anbieter hochwertige Qualifikationen in diesem oder in einem dieser Bereiche?

Wenn man die Antworten nicht direkt auf der Website findet oder wenn nur mit allgemeinen Begrifflichkeiten gearbeitet wird, wie z.B. “lizenzierter Trainer“, lohnt sich ein bisschen Recherche im Internet – sind genauere Informationen dann gefunden, werden die Lizenzen leider oft zu irgendwelchen Wochenendkursen. Fußballfitness setzt spezifische Kenntnisse in verschiedenen Teilbereichen der Sportwissenschaft voraus – vor allem aber Erfahrungen als Fußballtrainer, denn Fußballfitness wird immer im Fußballkontext trainiert. Anzeichen für eine entsprechende Qualifikation könnten also ein einschlägiges Studium, eine hochwertige Fußball-Trainierlizenz und natürlich Erfahrungen auf dem Level sein, welches die potenziellen Kunden erreichen sollen oder wollen. Letztlich geht es also bei der athletischen Ausbildung von Fußballspielern nicht darum, einen Trainingsplan zu kopieren, sondern darum, die wissenschaftlichen Grundprinzipien des Trainings zu verstehen und diese auf die eigenen internen und externen Faktoren zu adaptieren.

Würde man die aktuellen Pläne unserer Spieler im Internet veröffentlichen, würde man auch schnell denken, dass diese wenig mit Fußball zu tun haben, da sie u.a. auch Grundlagenausdauerläufe (als Tempo Runs) sowie z.B. allgemeine Stabilisationsübungen enthalten. ABER wir sind uns dieser Inhalte ganz genau bewusst und wollen die Spieler geplant entlasten sowie die Zeit für das nutzen, was während der Saison zu kurz kommt. Die Spieler kehren also nicht als bessere Fußballspieler in die neue Saison zurück, sondern sie kommen mit einer breiteren sportlichen Basis und erholt wieder.  Sie müssen dann, basierend auf ihrem aktuellen Leistungsstand, wieder fußballspezifisch, meint, vor allem durch Spielformen, in einen entsprechenden Zustand gebracht werden; was durchaus einige Zeit in Anspruch nehmen kann, was wir bereits im Vorfeld der Planung berücksichtigt haben.

In einem weiteren Artikel werden wir dann einen spielbasierten Ansatz zur Fußballfitness sowie die weiteren Komponenten der Leistungsfähigkeit vorstellen. Denn auf was wir in diesem Artikel noch gar nicht eingegangenen sind, sind die vielen Faktoren, die die Leistungsfähigkeit der Spieler ebenso beeinflussen wie das Training – dafür verwenden wir gerne den Begriff Performance Management, der auch die Aspekte Ernährung, Erholung, Lifestyle, Psychologie und Ausbildung umfasst. Wenn Ihnen der Artikel gefallen hat, können Sie diesen gern über die bekannten Social Media Plattformen teilen, Sie können uns auch ein Feedback zukommen lassen – wir freuen uns immer über einen konstruktiven Austausch.

Quellenhinweise

[1] https://www.fcevolution.com/what-is-football-fitness/ – Zugriff am 24.04.2020, 12:45 Uhr

[2] Verheijen, R. (2014): Football Periodization. World Football Academy, Amsterdam.

[3] Verheijen, R. (2014): Football Periodization. World Football Academy, Amsterdam.

[4] https://strengthcoachblog.com/2011/01/13/assessing-credibility-in-the-internet-age/

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