Illusion of Competence oder die Kompetenzillusion – Der Dunning-Kruger-Effekt

Unserer Erfahrung zeigt, dass das Konfliktpotenzial zwischen Trainer und Sportwissenschaftler im Vergleich zu den anderen Gruppen am größten ist. Dies liegt sicherlich zum einen darin begründet, dass sich Trainer und Sportwissenschaftler unmittelbar um die begrenzte Trainingszeit streiten und zum anderen auch darin, dass Trainer, vor allem mit eigener Erfahrung als Spieler, bereits selbst zu wissen, wie Athletiktraining funktioniert.

Die “illusion of competence”, auch als Kompetenzillusion oder Dunning-Krüger-Effekt, bezeichnet,beschreibt das Phänomen, dass Menschen trotz relativ geringer Grundkenntnisse von einem bestimmten Thema dazu neigen, ihr Wissen in diesem Bereich zu überschätzen.

Der Dunning-Kruger-Effekt geht auf den Psychologen David Dunning von der Cornell University und dessen Doktoranden Justin Kruger zurück und ist eher ein populär-wissenschaftliches Modell [1] der Kompetenzstufenentwicklung, weshalb Dunning und Kruger für ihre Entdeckung seinerzeit auch nur die satirische Auszeichnung des Ig-Nobelpreises [2] erhielten.

Dabei war das Experiment, mit dem der Effekt nachgewiesen werden sollte, recht clever aufgebaut. Dunning und Kruger stellten ihren Studenten eine Reihe verschiedener Fragen zur Grammatik und zu logischem Denken. Im Anschluss daran baten sie die Studenten, sowohl ihre Gesamtpunktzahl zu schätzen, als auch ihr Ergebnis im Vergleich zu den anderen Studenten einzuordnen. Das Spannende an diesem Experiment war, dass die Studenten, die bei den Aufgaben am schlechtesten abgeschnitten haben, ihre Leistung jeweils deutlich überschätzten.

In einer Folgestudie befragten Dunning und Kruger Waffenliebhaber. Auch hier überschätzten diejenigen, die die wenigsten Fragen über Schusswaffen richtig beantwortet haben, ihr Wissen erheblich.

Auch in anderen Bereichen wird Selbstüberschatzung schnell deutlich – nehmen wir nur die vielen Casting-Shows im Fernsehen, bei denen z.B. völlig talentlose Sängerinnen und Sänger völlig überrascht sind, wenn sie nicht in die nächste Runde kommen. Was für uns Zuschauer häufig belustigend ist, ist für die Teilnehmer aufgrund ihrer „illusion of competence“ völlig unverständlich. Ein weiteres Beispiel. Halten Sie sich für einen überdurchschnittlich guten Autofahrer? Ja?! – Dann sind Sie nicht alleine. Eine Studie [3] ergab, dass 80 Prozent der Fahrer sich selbst als überdurchschnittlich bewerten – eine statistische Unmöglichkeit. Ähnliche Trends wurden festgestellt, wenn Menschen ihre Popularität [4] oder ihre kognitiven Fähigkeiten [5] bewerten sollten.

Das Problem ist, dass Menschen, die inkompetent sind, ihre eigene Inkompetenz nicht wahrnehmen können. Und nicht nur das – sie sind wahrscheinlich tatsächlich davon überzeugt, dass sie kompetent sind. Interessanterweise schätzen auch wirklich kluge Köpfe ihre Fähigkeiten nicht gut ein. In ihrer ersten Studie stellten Dunning und Kruger fest, dass leistungsstarke Studenten, deren Ergebnisse klar im oberen Viertel lagen, ihre relative Kompetenz unterschätzten. Diese Studenten gingen davon aus, dass die gestellten Aufgaben für alle anderen genauso einfach oder sogar einfacher sein müssten, wenn diese für sie so leicht zu beantworten waren. Auch haben sie generell mehr Bewusstsein für das, was sie mehr wissen könnten oder was sie nicht wissen.

„One of the painful things about our time is that those who feel certainty are stupid, and those with any imagination and understanding are filled with doubt and indecision.“  – Bertrand Russell (1951)

Oder kurz: „Mit dem Wissen wächst der Zweifel“ Johann Wolfgang von Goethe

Der Dunning-Kruger-Effekt beschreibt also eindrucksvoll das Problem der Selbstüberschätzung, das sich natürlich ebenso im Bereich des Sports findet. Es macht auch nicht vor Cheftrainern halt, wenn es umAthletiktraining und Regeneration geht. Wer kennt sie nicht, Sätze wie: „Das haben wir schon immer so gemacht“ oder „Als ich Profi war …“ etc.- ein klarer Fall von Kompetenzillusion.

Wie die Abbildung zeigt, gliedert sich die Entwicklung des Kompetenzerwebes in vier Phasen.

  1. Jede Reise beginnt mit der vollständigen Ahnungslosigkeit – mit zunehmender Dauer steigen sowohl das Kompetenzlevel als auch das Selbstvertrauen. An einem gewissen Punkt wächst das Gefühl, dass man „alles“ weiß. Häufig überschätzen inkompetente Trainer ihr Wissen für verschiedene Teilbereiche und nehmen dabei das Ausmaß ihrer eignen Inkompetenz überhaupt nicht wahr. An diesem Punkt gibt es zwei Möglichkeiten:

(1) Die Trainer bleiben auf dem „Stupid Hill“ und sehen keine Notwendigkeit ihre Kompetenz zu steigern. Dazu unterschätzen die Trainer gern die Kompetenz anderer Fachleute – hier   entsteht häufig ein Problem zwischen Trainern und Trainingswissenschaftler. Auf die Meinung bzw. die Hinweise der Wissenschaftler reagieren diese Trainer häufig mit sog. Kognitiver Dissonanz, einer reinen Abwehrhaltung, die -vereinfacht formuliert – von Trotz, Rechtfertigungen und Wut begleitet wird. Diese Trainer glauben, dass Sie nicht Teil des Misserfolges sind – vielmehr spielen sie stattdessen das „blame game“ und geben anderen Beteiligten die Schuld.

(2) Die Trainer erkennen ihre Defizite und beginnen sich mit entsprechenden Themen eingehender zu beschäftigen. Damit treten sie in die zweite Phase der Kompetenzentwicklung ein.

  1. Mit der Einsicht der eigenen Inkompetenz beginnt zunächst der schmerzvolle Abstieg in das Tal der Hoffnungslosigkeit. Je mehr man an Informationen findet und je mehr man sich mit Experten austauscht, desto größer wird das Gefühl der eigenen Inkompetenz. Durch den Erwerb hervorragender Kenntnisse in einem bestimmten Fachgebiet (z.B. durch ein Studium) und praktische Erfahrungen, die für die Arbeit auf diesem Gebiet erforderlich sind (z. B. Umgang mit GPS-Systemen und anderen Monitoring-Daten) nehmen Selbstvertrauen und Sicherheit wieder zu.
  2. Durch zunehmende praktische Erfahrung und ständige Weiterbildung stellt man dann fest, dass die reale Welt des Sport weitaus komplexer ist, als es an den Hochschulen gelehrt wird und dass man sein Wissen immer wieder an die entsprechenden Rahmenbedingungen anzupassen hat. Mit einem vergleichsweise hohen Aufwand schafft man es, weiter an Sicherheit zugewinnen und zunehmend komplexere Fragestellungen und Probleme zu lösen.
  3. In der vierten Phase kann man sein erworbenes Wissen und seine praktischen Erfahrungen an nahezu jedes Umfeld anpassen und hat für die verschiedensten und komplexesten Fragestellungen Lösungsmöglichkeiten und möglicherweise notwendige Alternativen

Im Fußball besteht besonders bei der Thematik „Load Management“ dann großes Konfliktpotenzial, wenn ein Trainer der Phase 1 auf einen Sportwissenschaftler der Phase 4 trifft. Der Trainer nimmt das Fachwissen des Sportwissenschaftlers häufig als Arroganz wahr und reagiert darauf mit gesteigertem Abwehrverhalten – der Sportwissenschaftler interpretiert die Abwehrhaltung seinerseits wiederum als Überheblichkeit des Trainers. Dieses Verhalten beider Seiten stellt keine gute Ausgangslage für ein HPE dar und sollte tunlichst vermieden werden. Das Auftreten des Dunning-Kruger-Effektes ist in den meisten Fällen keine Schwäche der Fußballtrainer – vielmehr liegt das Problem in den z.T. ineffektiven Lernmethoden. Ein Vorteil eines Studiums liegt in dem Kompetenzerwerb in Prinzipien zu denken, diese Fähigkeit fehlt vielen Fußballtrainer häufig – sie denken eher in Systemen.

Die gute Nachricht: Dunning und Kruger klammerten die Intelligenz ganz bewusst aus ihren Untersuchungen aus – entsprechend sind Menschen, die sich selbstüberschätzen nicht automatisch dumm oder weniger intelligent, vielmehr fehlt ihnen oft nur das nötige Fachwissen zu einer Thematik. Der Kunst besteht also darin, sich nicht von der Illusion der Kompetenz täuschen zu lassen, seine Unwissenheit anzuerkennen und stetig weiter zu lernen. Wie Konfuzius bereits sagte: „Echtes Wissen heißt, das Ausmaß der Unwissenheit zu kennen.“ Entsprechend sind Demut, Offenheit und Respekt auf der einen Seite, sowie die Bereitschaft zur stetigen Weiterentwicklung auf der anderen Seite elementare Bestandteile eines HPEM.

Da die Chef-Trainer im Fußball den Sportwissenschaftlern sowohl zahlenmäßig als hierarchisch überlegen sind, stehen v.a. die Sportwissenschaftler vor der Herausforderung verstärkt zuzuhören, von den Trainern zu lernen, konstruktive Kritik anzunehmen und ein fußballspezifisches Wissen zu entwickeln und den Trainern die richtigen und wesentlichen Informationen durch eine attraktive und leichtverständliche Aufbereitung  vermitteln, dass diese schließlich im Trainingsalltag umgesetzt werden können.

Quellenhinweise

[1] Kruger, Justin & Dunning, David. (2000). Unskilled and Unaware of It: How Difficulties in Recognizing One’s Own Incompetence Lead to Inflated Self-Assessments. Journal of Personality and Social Psychology. 77. 1121-34. 10.1037//0022-3514.77.6.1121.

[2] Ig steht für ignoble (etwa schmachvoll, unwürdig), der Ig-Nobelpreis wird jedes Jahr von der amerikanischen Harvard University für skurrile, scheinbar unsinnige, aber doch nachdenkenswerte Forschungen verliehen.

[3] McCormick, I. A., Walkey, F. H., & Green, D. E. (1986). Comparative perceptions of driver ability – a confirmation and expansion. Accident Analysis and Prevention,18(3), 205–208.

[4] W, EZRA & Jost, John. (2001). What MakesYou Think You’reSo Popular? Self-Evaluation Maintenance and the Subjective Side of the „FriendshipParadox. Social Psychology Quarterly. 64. 10.2307/3090112.

[5] Roese, N. J., & Olson, J. M. (2007). Better, Stronger, Faster: Self-Serving Judgment, Affect Regulation, and the Optimal Vigilance Hypothesis. Perspectives on psychological science : a journal of the Association for Psychological Science, 2(2), 124–141. https://doi.org/10.1111/j.1745-6916.2007.00033.x

Was ist eigentlich Fußballfitness? – Athletik, Kondition, Fitness – über was sprechen wir dabei und wie werden unsere Spieler wirklich „fitter“?

Kurz vorab: Die Idee zu diesem Artikel stammt lieferte der Blog-Artikel „What is football fitness“[1] von Raymond Verheijen. Sicherlich gibt es dazu unterschiedliche  Ansichten und es sicherlich wurden auch schon Meisterschaften mit anderen Trainingsansätzen gewonnen, aber wir möchten doch auf Basis dieses Artikels und der objektiven „Football Action Theory“ unsere Interpretation von Fußballfitness vorstellen und dabei verschiedene bestehende Trainingsansätze kritisch hinterfragen und bezogen auf die Ausbildung von Fußballspielern einordnen.

Bei der Internetsuche zu den Begriffen  „Fußballfitness“ oder „Fußballathletik“ stößt man sehr schnell auf eine Vielzahl von (Online-)Trainingsprogrammen, die zunächst mit Slogans und Versprechen werben wie „Trainieren wie die Profis“, „Laufen all deinen Gegenspielern davon“ oder einfach „Steigere deine Leistung auf dem Platz mit unserem Programm“ – klickt man sich in diese Programme ein, findet man eine schier endlose Anzahl an mehr oder weniger bekannten Fitnessübungen vom bekannten Unterarmstütz bis zum  neuerdings immer wieder angepriesenen Burpees. Doch trainieren so wirklich die Profis? Machen diese Übungen unsere Fußballspieler wirklich fitter? Und überhaupt: Was genau bedeutet „fitter“ eigentlich?

Beginnen wir mit der Frage, ob Profis tatsächlich mit Hilfe dieser Übungen trainieren.

Die Antwort lautet: JA. Immer wieder präsentieren Vereine oder einzelne Spieler Trainingsinhalte in den sozialen Netzwerken – und man sieht hier Spieler mit den aufgeführten Übungen trainieren. Klar, dass pfiffige Marketing- „Experten“ diese Videos oder Bilder nutzen, die Übungen aus ihrem Kontext lösen, in „ihr“ Programm verpacken und als „…wie die Profis“ verkaufen. Aber genau dieser Kontext, in dem die diversen Übungen eingesetzt werden, ist das Entscheidende bei der Planung eines effektiven Trainingsprogamms.

  • Warum macht ein Spieler diese Übungen?
  • Wann macht ein Spieler diese Übungen?
  • Wie viele Wiederholungen macht ein Spieler?
  • Wird der Spieler durch diese Übungen auch hinsichtlich seiner spezifischen Anforderungen besser?

Diese grundlegenden Fragen sind nur einige Beispiele für die Überlegungen, die ein Trainer bei seiner Trainingsplanung berücksichtigen sollte, um das bestmögliche Programm für einen Spieler zu kreieren. Ebenso spielen Alter und Geschlecht genauso eine Rolle wie das Trainingsalter, die Trainingserfahrung, das Trainingsniveau, die Trainingshäufigkeit und die die zeitlichen und mentalen Ressourcen des Athleten – und letztlich auch nicht zu vergessen: die Position des Spielers und die Spielidee des Fußballtrainers. Jedes Trainingsprogramm ist also individuell – in einem Profi-Verein arbeiten verschiedene Experten mit den Spielern zusammen und es werden Unmengen von Daten zu jedem Spieler erhoben. Das Training gehört zum Beruf der Spieler – das heißt, die Profis haben ganz andere Voraussetzungen als ein Amateur, der neben seinem normalen Beruf einem sportlichen Hobby nachgeht. Das bedeutet gleichwohl, dass das Werbeversprechen „Trainieren wie die Profis“ per se schon nicht funktionieren kann – denn Amateure sind keine Profis und sollten auch nicht wie diese trainieren. Vielmehr sollten sie basierend auf allgemein gültigen Trainingsprinzipien trainieren, die ihren individuellen internen und externen Faktoren bestmöglich angepasst werden. Ein Online-Training oder eine App, die für alle Spieler das gleiche Training anbietet, kann dementsprechend nicht oder höchstens für einen kleinen Teil der Spieler funktionieren.

Steigern Übungen wie der Unterarmstütz oder ein Burpee die fußballspezifische Leistungsfähigkeit?

Diese Frage erfordert zunächst einmal eine Definition von Fitness. Was heißt eigentlich „Fitness“ bzw. „Fußballfitness“? Dafür dient uns „Football Action Theory“ von Raymond Verheijen als Grundlage.[2]

In diesem Zusammenhang unternehmen wir einen kurzen Exkurs zu Raymond Verheijen:

Der Niederländer hat Exercise Physiology and Sport Psychology studiert. Er war als Assistenztrainer an vier Welt- und vier Europameisterschaften dabei und war bei mehreren europäischen Top-Clubs wie z.B. dem FC Barcelona, Chelsea London oder auch Zenit St. Petersburg tätig. Verheijen gilt als einer der führenden Experten für „Football Fitness“ und bietet seit mehreren Jahren mit Football Coach Evolution weltweit hochklassige Fortbildungen an.

 Die Football Action Theory wird u.a. in Verheijens Buch „Football Periodization“[3] und dem o.g. Blog-Artikel näher vorgestellt. Die Theorie beruht auf einfachen und nachvollziehbaren sowie wissenschaftlich fundierten Grundprinzipien, die das Fußballspiel logisch und allgemein gültig erklären.

Zerlegt man Fußball in seine Einzelteile, so besteht das Spiel aus einer Aneinanderreihung von Fußballaktionen.  Eine Fußballaktion ist eine Bewegung, die mit ihrer Umgebung interagiert, also eine INTERaktion. Beispiele für solche Fußballaktionen sind u.a. das Dribbling und das Passen. Das Gegenteil zu einer Aktion ist eine Bewegung, die in keinerlei Interaktion mit der Umgebung steht. Ein Beispiel dafür ist ein Sprint ohne Ball und ohne taktischen Kontext, also ein Sprint, der nichts mit Fußball zu tun hat.

Die Idee der „Football Action Theory“ besteht demnach darin, dass erst der fußballspezifsche Kontext eine Bewegung überhaupt relevant macht. Daraus resultierend müssen sich im Training eben genau diese Aktionen und nicht die aus der Aktion herausgelösten Bewegungen wiederfinden.

Bezeichnen wir eine Fußballaktion als x und eine Zeiteinheit ohne Aktion als –, so lässt sich ein Fußballspiel schematisch wie folgt darstellen:

Fußball = x – x – x —- x –x —- x —— x — x —-x —- x

Fußball ist also eine intermittierende Sportart, deren Dauer durch das Regelwerk vorgeben und unveränderbar ist (i.d.R. 90 min Spielzeit). Für das Training bedeutet dies vereinfacht erklärt, dass man zum einen „bessere“ Aktionen und zum anderen häufigere Aktionen erreichen muss. Fußball ist zwar von der Ausdauer beeinflusst, wird aber nicht von ihr bestimmt. Da die Dauer (Spielzeit) gleichbleibend ist, geht es im Rahmen einer Leistungssteigerung darum, sowohl die Intensität als auch die Häufigkeit der Aktionen zu erhöhen.

Geht man nun genauer auf eine Aktion ein, besteht diese laut Verheijen wiederum aus drei Komponenten. (Hinweis: Das Spielkompetenz-Modell von Prof. Dr. Dr. Matthias Lochmann von der Friedrich-Alexander-Universität besteht aus ähnlichen, aber vier Komponenten)

Eine Fußballaktion setzt sich demnach aus Communication (C), Decision (D) und Execution (E) zusammen.

C, also die Kommunikation, beschreibt den taktischen Kontext bzw. das taktische Verhalten in einer Situation. Dabei ist jede Situation anders und beruht auf der Interaktion der eigenen Mitspieler, der Gegner, den taktischen Vorgaben sowie externen Faktoren wie Spielstand oder Spielzeit. Das taktische Verhalten ist demnach eine Teamfähigkeit, die von externen Faktoren beeinflusst wird. Daher kann ein Spieler allein per Definition nicht „taktisch gut“ sein.  Für die Trainingsableitung bedeutet dies also, dass das Training im Fußball immer einer Interaktion zwischen zwei oder mehr Spielern bedarf und somit per se nicht „online“ oder alleine trainiert werden kann.

D, also die Entscheidung, beschreibt vereinfacht das Spielverständnis des einzelnen Spielers beruhend auf seiner Wahrnehmung und Interpretation des taktischen Kontextes, es setzt also das C voraus. Der Spieler nimmt einen Reiz wahr, verarbeitet und interpretiert diesen und trifft nun eine Entscheidung. Für die Trainingsableitung folgt daraus, dass das Training im Fußball immer einen spezifischen Reiz voraussetzt, den der Spieler verarbeiten kann. In einem Online-Programm oder im Einzeltraining ist dieser Reiz nicht gegeben, die Entscheidung wird dem Spieler durch die Vorgaben „30 sek Unterarmstütz“ abgenommen oder durch eine einfache Entscheidungshandlung „Bei Rot nach rechts laufen“ suggeriert.

E, also die technische Ausführung, beschreibt nun das Ausführen einer Technik basierend auf der jeweiligenEntscheidung, die der Spieler getroffen hat. D.h. zum Beispiel, dass ein Spieler basierend auf dem taktischen Verhalten der anderen Akteure ein Passfenster wahrnimmt, dieses für sicher und sinnvoll interpretiert und sich nun dafür entscheidet, einen vertikalen Pass zu spielen. Die technische Ausführung muss nun entsprechend des Abstandes, der Position des Spielers auf dem Spielfeld und dem Verhalten der anderen Spieler umgesetzt werden, somit wird jede technische Ausführung nahezu einmalig. Wenn wir die technische Ausführung isoliert betrachten und ihr ein ideales Technikleitbild zuordnen, nehmen wir an, dass diese eher Ideal als praktisch sein sollte, bezieht man aber C und D in die Betrachtung mit ein, so wird schnell klar, dass das isolierte Einschleifen einer Technik keinerlei Bezug zum eigentlichen Ziel darstellt und daher eher ineffektiv ist. Auf das Fußballfitesstraining bezogen sollte der Leitspruch also nicht heißen „Train Movement not Muscles“ vielmehr heißen „Train Actions not Movements“.

C + D + E = F – Football Fitness

Geht man nun in der Football Action Theory weiter, beschreibt Fußballfitness nicht irgendeinen KPI (Key Performance Indicator) wie z.B. einen Laktaktwert oder einen Schnelligkeitswert oder die Anzahl irgendwelcher Burpees  – Fußballfitness beschreibt vielmehr die Fähigkeit einer Mannschaft und dem entsprechend auch eines Spielers, die taktischen Vorgaben des Trainers auf einem hohen Niveau und über 90+ Minuten aufrechtzuerhalten. Basierend auf der bisherigen Erklärung können wir Fußballfitness mit der Fähigkeit beschreiben, über die gesamte Spielzeit den Kreislauf von Kommunizieren, Entscheiden und Ausführen so häufig wie möglich (höheres Tempo) und so lange wie möglich (90 min +) auszuführen. Dieser Zyklus findet während eines Spiels übrigens ca. alle drei Sekunden statt.

Zusammenfassend kann ein Trainingsprogramm oder eine Übung nur dann als Fußball-Fitnesstraining bezeichnet werden, wenn diese den aufgeführten Kriterien entspricht. Schauen wir noch einmal zurück auf die Trainingsprogramme im Internet; in der Regel muss man leider feststellen, dass diese weder individuell aufgebaut sind, noch die Anforderungen an ein Fußballfitnesstraining erfüllen. Vielmehr umfassen diese Programme, wenn überhaupt, nur die technische Ausführung von Bewegungen, also das E – und selbst die technische Ausführung der vorgegebenen Übungen hat mit Fußballfitnesstraining nichts zu tun – oder haben Sie schon einmal einen Spieler auf dem Spielfeld einen Burpee oder mehrere Burpees machen sehen?

Haben Übungen wie der Unterarmstütz oder Sprünge also keine Daseinsberechtigung im Training mit Fußballern?

 Doch, selbstverständlich. Wir mögen einfache und leicht verständliche Konzepte und Prinzipien – wenn wir uns die sportliche Leistungsfähigkeit erklären, nutzen wir das dafür ein Modell des weltweit anerkannten Physiologen und S&C Trainer Gray Cook. Mit Hilfe der Performance Pyramide lassen sich die menschliche Leistungsfähigkeit und die dafür nötigen Bewegungsmuster einfach darstellen. Uns ist bewusst, dass dieses Modell sicherlich die ein oder andere wissenschaftliche Ungenauigkeit aufweist, trotzdem vermittelt sie sehr gut unser methodisches Vorgehen sowie die Bedeutung eines ganzheitlichen und mehrdimensionalen Trainingsansatzes.

Einfach erklärt, besteht die Performance Pyramide aus drei Rechtecken, die aufeinander aufbauen. Dabei bildet jeder Baustein eine bestimmte Kategorie von Bewegungsmustern ab. Wenn alle Bewegungsmuster dieser drei Bausteine optimal ausgebildet sind, ergeben sie eine Pyramide, an deren Spitze die sportartspezifische Leistungsfähigkeit steht – hier findet sich also die Football Action Theory wieder.

Der unterste Baustein der Pyramide repräsentiert die fundamentalen Bewegungsmuster und die Fähigkeit des Spielers, sich innerhalb dieser Bewegungsmuster frei zu bewegen. Zu diesen fundamentalen Bewegungsmustern zählen z. B. Kniebeugen, Ausfallschritte und Rotationsbewegungen, aber auch Basisfähigkeiten, wie eine ausreichende Mobilität oder eine optimale motorische Kontrolle – für die Trainingsableitung bedeutet dies also auch, dass sehr wohl isolierte Bewegungen wie der Unterarmstütz oder ähnliches durchgeführt werden können.

Der zweite Baustein repräsentiert die „Functional Performance“, eine unspezifische Form der Bewegungseffizienz. Wenn ein Spieler in der Lage ist, sich ohne Einschränkungen zu bewegen, beinhaltet dieser Baustein nun die Fähigkeit, in diesen Bewegungen auch Power zu generieren. Grundlage dieses Bausteins bilden die auch in der klassischen Sportwissenschaft bekannten konditionellen Fähigkeiten. Sie lassen sich zum Beispiel durch Kraft-, Ausdauer- oder Plyometrietraining steigern.

Der dritte und letzte Baustein repräsentiert die „Functional Skills“, also die sportartspezifische Leistungsfähigkeit, welche sich in der Bewältigung der zuvor beschriebenen Anforderungen ausdrückt und die beschriebenen Komponenten C, D und E enthält.

Nimmt man also die Pyramide als Grundlage jeder Leistung, so bildet eine ausreichende Beweglichkeit (Flexibilität und Mobilität), genügend Stabilität und motorische Kontrolle sowie eine gute Balance/Propriozeption die Basis der sportlichen Leistungsfähigkeit. Eine gutausgeprägte sportliche Leistungsfähigkeit ermöglicht dann eine hohe sportartspezifische Leistungsfähigkeit. Dieses Vorgehen nennt man auch LTAD (Long Term Athletic Development) oder auch langfristigen Leistungsaufbau. Diese allgemeinen Voraussetzungen müssen bei vielen Spielern zunächst geschaffen werden. Dementsprechend unterteilen wir das Athletiktraining in einem nächsten Schritt in ein allgemeines und ein spezielles Athletiktraining, bevor eine Spezifizierung erfolgen sollte. Das US-amerikanische Sportsystem nutzt dieses Vorgehen eindrucksvoll – immer wieder gibt es Sportler, die aufgrund ihrer breiten und allgemeinen sportlichen Ausbildung so gute Voraussetzungen mitbringen, dass sie sich anschließend in mehreren Sportarten auf einem hochklassigen Niveau spezialisieren können. Eines dieser Beispiele ist Kyler Murray, der sowohl im NFL-Draft von den Arizona Cardinals als auch in Baseball-Profiliga MLB in Runde eins gedraftet wurde.

Es geht also nicht darum, ob allgemeine Übungen gut oder schlecht sind, vielmehr geht es darum zu wissen wann und warum ich welche Übung einsetze und mit welchen Leistungsversprechen ich werbe. Es gibt viele Studien dazu, dass z.B. die Rumpfkräftigung einen positiven Einfluss auf die Leistungsfähigkeit hat, dem entsprechend können Übungen zur Core-Stabilisation in der Entwicklung eines Spielers durchaus sinnvoll sein und sollten daher nicht grundsätzlich verurteilt werden – wie so oft macht die Dosis das Gift. Hinzu kommt die Übertragbarkeit auf den Sport; bei einer isolierten Übung wie dem Unterarmstütz fehlt nicht nur der vollständige Bezug zum Fußball (C – D – E), darüber hinaus findet die technische Ausführung auch in einer völlig falschen Arbeitsweise (statisch vs. dynamisch) und einer völlig falschen Position (beim Fußball stehen die Füße auf dem Boden) statt – dem entsprechend sollte der Anteil an solchen Übungen im Vergleich zu Fußballfitness – Übungen weitaus geringer ausfallen und eine richtige Einordnung stattfinden. Isolierte Fitnessübungen machen einen Spieler nicht zu einem besseren Spieler, dafür bedarf es das Spiel. Sie tragen jedoch durchaus zur physischen Entwicklung der Spieler bei.  Ein Werbeslogan sollte von daher besser lauten „Wir tragen zur deiner ganzheitlichen physischen Entwicklung bei!“ –  es ist allerdings anzunehmen, dass die Verkaufszahlen damit aber weitaus geringer wären.

Kommen wir abschließend noch einmal zum „Trainieren wie die Profis“ zurück – was heißt das eigentlich? Ja, wir haben festgestellt, dass ähnliche Übungen auch von Profis durchgeführt werden – aber entsprechen die beworbenen Trainingspläne wirklich denen der Profis, ist dies überhaupt möglich?

Bereits zu Beginn des Artikels sind wir kurz darauf eingegangen, dass ein Amateur und ein Profi sich in vielerlei Hinsicht unterscheiden. Vor allem verfügt ein Profi über eine ganze Armada von Spezialisten – da wären der ausgebildete Athletiktrainer, der Ernährungsberater, der Physiotherapeut, der Leistungsdiagnostiker, der Arzt und viele mehr, die gemeinsam mit dem Chef-Trainer für jeden Profispieler einen individuellen Plan konzipieren.

Im Internet sehen wir lediglich das „Was“, also was der Spieler für Übung macht, uns fehlt aber das „Wie“, also welche Überlegungen und Prinzipien stecken hinter der Trainingsplanung, noch wichtiger aber, es fehlt uns das „Warum“. Welche Glaubenssätze, Werte und Visionen fließen in den Trainingsplan ein? Wenn sog. Experten also Trainingsinhalte übernehmen, kopieren und für viel Geld verkaufen, entziehen sie die Übungen komplett aus dem Kontext. So wird aus dem Übungsprogramm allenfalls die schlechte Kopie, die für einen ganz anderen Spieler eine geeignete, weil individuelle Lösung bedeutete. Und diese Kopie sollen nun ein Amateur kaufen, um ein besserer Fußballer zu werden?

Eine weitere Frage, die zu stellen ist: Wer verkauft diese Pläne und woher wollen diese Anbieter wissen, wie Profis trainieren? Hierzu hat der weltweit anerkannte S&C Trainer Michale Boyle einen tollen Blog-Artikel[4] mit dem Thema Internet-Fame veröffentlicht, in dem er auch eine kleine Check-Liste zur Beurteilung der Glaubwürdigkeit von Internet-Experten erstellt, die wir hier frei übersetzt weitergeben wollen:

  • Ist der Anbieter tatsächlich einer der weltweit gefragten Experten auf irgendeinem Gebiet?
  • Verdient der Anbieter seinen Lebensunterhalt wirklich als Fußballfitnesstrainer oder verdient er seinen Lebensunterhalt mit dem Verkauf des Produktes?
  • Wie viele Spieler hat der Anbieter tatsächlich trainiert? Und vor allem wie viele waren davon Profis? Und auch wenn er mal einen Bekannten trainiert hat, der zufällig Profi war – hat der Anbieter jemals in einem professionellen Umfeld gearbeitet, um beurteilen zu können, wie ein Profi arbeitet?
  • Entspricht der Lebenslauf des Anbieters dem eines Profis? Trainingswissenschaft ist eine Teildisziplin der Sportwissenschaft, die in einem ganzen Studiengang gelehrt wird. Ernährungswissenschaft ist ein eigener Studiengang – d.h. hat der Anbieter hochwertige Qualifikationen in diesem oder in einem dieser Bereiche?

Wenn man die Antworten nicht direkt auf der Website findet oder wenn nur mit allgemeinen Begrifflichkeiten gearbeitet wird, wie z.B. “lizenzierter Trainer“, lohnt sich ein bisschen Recherche im Internet – sind genauere Informationen dann gefunden, werden die Lizenzen leider oft zu irgendwelchen Wochenendkursen. Fußballfitness setzt spezifische Kenntnisse in verschiedenen Teilbereichen der Sportwissenschaft voraus – vor allem aber Erfahrungen als Fußballtrainer, denn Fußballfitness wird immer im Fußballkontext trainiert. Anzeichen für eine entsprechende Qualifikation könnten also ein einschlägiges Studium, eine hochwertige Fußball-Trainierlizenz und natürlich Erfahrungen auf dem Level sein, welches die potenziellen Kunden erreichen sollen oder wollen. Letztlich geht es also bei der athletischen Ausbildung von Fußballspielern nicht darum, einen Trainingsplan zu kopieren, sondern darum, die wissenschaftlichen Grundprinzipien des Trainings zu verstehen und diese auf die eigenen internen und externen Faktoren zu adaptieren.

Würde man die aktuellen Pläne unserer Spieler im Internet veröffentlichen, würde man auch schnell denken, dass diese wenig mit Fußball zu tun haben, da sie u.a. auch Grundlagenausdauerläufe (als Tempo Runs) sowie z.B. allgemeine Stabilisationsübungen enthalten. ABER wir sind uns dieser Inhalte ganz genau bewusst und wollen die Spieler geplant entlasten sowie die Zeit für das nutzen, was während der Saison zu kurz kommt. Die Spieler kehren also nicht als bessere Fußballspieler in die neue Saison zurück, sondern sie kommen mit einer breiteren sportlichen Basis und erholt wieder.  Sie müssen dann, basierend auf ihrem aktuellen Leistungsstand, wieder fußballspezifisch, meint, vor allem durch Spielformen, in einen entsprechenden Zustand gebracht werden; was durchaus einige Zeit in Anspruch nehmen kann, was wir bereits im Vorfeld der Planung berücksichtigt haben.

In einem weiteren Artikel werden wir dann einen spielbasierten Ansatz zur Fußballfitness sowie die weiteren Komponenten der Leistungsfähigkeit vorstellen. Denn auf was wir in diesem Artikel noch gar nicht eingegangenen sind, sind die vielen Faktoren, die die Leistungsfähigkeit der Spieler ebenso beeinflussen wie das Training – dafür verwenden wir gerne den Begriff Performance Management, der auch die Aspekte Ernährung, Erholung, Lifestyle, Psychologie und Ausbildung umfasst. Wenn Ihnen der Artikel gefallen hat, können Sie diesen gern über die bekannten Social Media Plattformen teilen, Sie können uns auch ein Feedback zukommen lassen – wir freuen uns immer über einen konstruktiven Austausch.

Quellenhinweise

[1] https://www.fcevolution.com/what-is-football-fitness/ – Zugriff am 24.04.2020, 12:45 Uhr

[2] Verheijen, R. (2014): Football Periodization. World Football Academy, Amsterdam.

[3] Verheijen, R. (2014): Football Periodization. World Football Academy, Amsterdam.

[4] https://strengthcoachblog.com/2011/01/13/assessing-credibility-in-the-internet-age/

Reboot your Legs – Regeneration mit den Reboots

Wir von SoccAthletix – spielend fit werden sind stets auf dem neusten Stand was aktuelle Trends und Methoden betrifft, mit denen wir die Leistungsfähigkeit unserer Sportler verbessern können. Auch möchten wir unsere Leser mit fundierten Informationen darüber versorgen. Bevor wir neue Ideen und Entwicklungen an unsere Sportler und/oder an unsere Leser weitergeben, befassen wir uns selbst sehr intensiv mit deren Inhalten und Hintergründen und führen entsprechende Tests durch.

Zuletzt haben wir uns schwerpunktmäßig mit den Themen „Regeneration“ und Regenerationsmanagement beschäftigt.

Durch unsere Kooperation mit BLACKROLL haben wir einen starken und kompetenten Partner an unserer Seite. BLACKROLL bietet verschiedene Tools zur Regeneration an, die bei unseren Sportlern ausgesprochen beliebt sind und mittlerweile in nahezu allen Bereichen des täglichen Trainings Verwendung finden; sei es in der Vor- und Nachbereitung oder auch im Training selbst.

Zur Zeit arbeiten wir an einem neuen großen Projekt mit evoletics   – dazu später mehr – und sind einmal wieder in die Recherche eingetaucht.  Dabei sind wir auf viele Fotos und Berichte über Regenerations-Stiefel gestoßen. Die coole Aufmachung und die provokanten Werbeversprechen haben sofort unser Interesse geweckt und uns dazu bewegt, tiefer in die Thematik „Regeneration durch Druckluft“ einzusteigen.

Schon sehr bald haben wir dann die Seite https://reboots.de mit dem vielversprechenden Slogan „Kampfansage an müde Beine“ gefunden. Nach kurzem Einlesen war uns klar, dass wir das Produkt „Reboots“ unbedingt testen müssen – gesagt, getan. In diesem Artikel wollen wir mit Euch unsere Erfahrungen mit den Reboots teilen und die Idee dahinter vorstellen.

Reboots: Was ist das überhaupt?

Reboots sind sog. Recovery Boots, also Stiefel, die die Regeneration optimieren sollen. Über Druckluft wird eine Art Sportmassage für zu Hause direkt aus der Steckdose erzeugt.

Der Hersteller beschreibt das Produkt auf seiner Website wie folgt:

„Recovery Boots sind Strümpfe, die durch eine mechanische Massage zu einer sportlichen Leistungssteigerung und zu einer schnelleren Muskelregeneration nach dem Training beitragen. Sie bestehen aus verschiedenen Luftkammer, die befüllt werden, um so eine gleitende mechanische Massage der Beine zu ermöglichen.“ (https://reboots.de/blog/was-sind-recovery-boots/, letzter Zugriff am 01.09.2018, 14:32 Uhr)

Bereits seit Ende der achtziger Jahre werden Kompressionsstiefel zur Behandlung von Ödemen und Thrombosen genutzt. Seit Anfang der neunziger Jahre werden diese Stiefel auch zu Regenerationszwecken genutzt und ihre diesbezüglichen Auswirkungen untersucht. Kompressionsstiefel sind unter verschiedenen Namen wie u.a. Peristaltic Pulse Dynamic Compression System oder Intermittent Pneumatic Compression System bekannt.

Auf Grund der unterschiedlichen Bezeichnungen ist eine Literaturrecherche allerdings sehr aufwendig und kompliziert. In unserem Artikel verwenden wir nunmehr zur Vereinfachung ausschließlich den Markennamen der von uns getesteten Stiefel: Reboots.

Auf seiner Seite verspricht der Hersteller eine schnelle Regeneration, eine Vergrößerung der Bewegungsreichweite sowie eine Verringerung von DOMS nach einem Training. Klingt erst einmal super, vor allem, wenn man bedenkt, dass das Regenerationsmanagement einen hohen Stellenwert in jedem Trainingsplan haben sollte.

Reboots: Der erste Eindruck

Die Reboots kommen in einer quadratischen Verpackungsbox. Die Verpackung wirkt sehr stylisch. In der Box befinden sich neben den beiden Reboots auch die Steuerungseinheit und entsprechende Anschlusskabel. Besonders die hochwertige Verarbeitung aller Materialien und das zeitgemäße Design fallen nach dem Öffnen sofort ins Auge.

Die Anwendung der Reboots ist denkbar einfach – die Anschlussstecker werden einfach mit dem Steuerungsgerät verbunden und dieses dann an eine Steckdose angeschlossen. Anschließend werden die Stiefel angelegt und der Reißverschluss geschlossen – und schon kann losgelegt werden. Über den On-Knopf wird das Gerät eingeschaltet. Standardmäßig sind eine Zeit von 30 min und ein mittlerer Druck eingestellt. Diese Einstellungen können aber sowohl vor als auch während der Anwendung angepasst und verändert werden.

Es gibt zwei verschiedene Größen. Größe XL ist laut Hersteller für eine Beinlänge von mehr als 86 cm. Für Beinlängen unter 86 cm bietet Reboots auch die Größe M an. 160 cm werden als Mindestkörpergröße für die Nutzung der Reboots vorgegeben.

Wir haben uns für zwei Geräte in Größe M entschieden und diese ausgiebig an uns und unseren Sportler getestet.

Reboots: Die Technik dahinter

Die Reboots arbeiten mit Hilfe von Druckluft. Diese wird über den Kompressor in die acht Luftkammern eines Stiefels gepumpt. Durch diese Kompression soll eine Art mechanische Massage bzw. Kompressionswelle erzeugt werden, die den Abtransport von Stoffwechselprodukten sowie die allgemeine Durchblutung anregen soll. Über die Steuerungseinheit können die Luftkammern einzeln und mit verschiedenen Programmen angesteuert werden. So können die jeweiligen Teilbereiche unter Druck gesetzt bzw. ausgespart werden. Das System bietet dafür sechs bereits vorinstallierte Programme. Der Druck und die Zeit können dabei individuell angepasst und eingestellt werden.

Der Druck lässt sich in fünf verschiedenen Stärken einstellen. Anders als viele andere Hersteller arbeiten die Reboots mit acht Luftkammern und einem relativ hohen Druck von bis zu 240mmHg. Der Druckverlauf beginnt immer unten (distal) in der Kammer am Fuß. Von unten geht die Kompression nach oben (proximal) Richtung Hüfte. Die verstärkte Kompression erhöht den Druck in den Venen, was wiederum zu einem verstärkten Abtransport von Stoffwechselprodukten aus dem Blut führt. Die Idee hinter den Reboots ist also die Optimierung der Regeneration und damit einhergehend eine verbesserte Beweglichkeit sowie geringere Gefahr einer Entstehung von Muskelkater durch eine gleitende Kompressionswelle.

Reboots im Trainingsalltag

Gerade nach Hauptbelastungstagen oder bei sehr kurzer Regenerationszeit durch z.b. einen engen Spielplan haben wir die Reboots eingesetzt, um unsere Sportler dabei zu unterstützen, besser und schneller zu regenerieren.

Da wir nicht für alle Sportler – wir arbeiten im Teamsport mit ca. 20 Spielern pro Team – ein eigenes Paar Reboots zur Verfügung hatten, haben wir meist in einem Regenerationszirkel gearbeitet. Entsprechend der Sportleranzahl haben wir dann an verschiedenen Stationen Regenerationsmaßnahmen wie BLACKROLL, Stretching, die neue Hypervolt von Hyperice (auch hierzu findest Du Informationen auf unseren Kanälen) und leichtes aerobes Training angeboten.

Sportler, die bereits am Vormittag trainieren und am Nachmittag eine zweite Einheit haben, nutzen die Reboots zwischen den Einheiten. Auch hier sind Kombinationen mit anderen Regenerationstools durchaus sinnvoll. Im Bereich der Regeneration nutzen unsere Sportler die Stufen 3 bis 5.

Wir haben die Reboots auch in der Trainingsvorbereitung eingesetzt. Dafür haben wir ein leichtes Programm über ca. 20 min auf Intensitätsstufe 1 oder 2 gewählt. Im Anschluss daran haben die Sportler ihr übliches Prewarm-Up in Form von Übungen mit der BLACKROLL sowie Mobilitäts- und Stabilitätsübungen durchgeführt.

Reboots: Wie ist die Studienlage?

Wie so häufig ist im Zusammenhang mit Regeneration die Studienlage nicht eindeutig. Schaut man sich in den einschlägigen Medien um, findet man viele Studien, die einen positiven Effekt nach der Anwendung von Recovery Boots  nachweisen konnten, aber auch einige Studien, die nach der Anwendung keinerlei Effekt feststellen konnten.

Studien mit positivem Ergebnis geben an, dass gerade nach Ausdauereinheiten, wie etwa einem Intervalltraining auf dem Fahrrad, Effekte festzustellen sind. Diese positiven Effekte sind auf den durch die Stiefel geförderten Abbau von Laktat zurückzuführen. Der bLa-Wert, also der Laktatgehalt im Blut, konnte nachweislich reduziert werden. Ein geringer Blutlaktatwert unterstützt eine schnellere Regeneration.

Auch eine verbesserte Beweglichkeit konnte in einer Studie bestätigt werden. In dieser Studie wurde eine Vergrößerung des Bewegungsradius des Knies nach der Anwendung festgestellt. Daher könnten die Reboots auch für einen Einsatz vor dem Training geeignet sein. Da aber einige Studie keine signifikanten Effekte nachweisen konnten und wir unsere Sportler auch im Bereich der Regeneration zur Selbstständigkeit erziehen wollen, ist die Nutzung der Reboots, ähnlich wie die Anwendung der BLACKROLL, für alle unsere Sportler freiwillig. Wir sind der festen Überzeugung, dass die Sportler meist selber am besten wahrnehmen, was ihnen hilft.

Daher schaffen wir hier ein offenes Angebot und lassen die Sportler grundsätzlich selbst entscheiden, welche der angebotenen Regenerationsmaßnahmen sie durchführen wollen. Die Erfahrung zeigt, dass Spieler sich am besten erholen, wenn sie eine angewandte Strategie als wirksam empfinden und von der Effektivität überzeugt sind. Mit den Reboots konnten wir unser Angebot um ein weiteres attraktives Tool erweitern.

Reboots: Das SOCCATHLETIX – spielend fit werden Fazit

Das Feedback war großartig – viele Sportler kamen besonders nach intensiven Einheiten oder an freien Tagen auf uns zu und wollten die Reboots nutzen. Die Sportler spüren einen Effekt durch die Nutzung der Reboots und fühlen sich merklich frischer. Dies zeigt sich auch in unserem Belastungsmonitoring, bei dem der Muskelzustand nach der Anwendung der Reboots deutlich besser bewertet wird, als ohne deren Anwendung.

Unser einziger Kritikpunkt ist die fehlende Anleitung bzw. fehlende Empfehlungen durch den Hersteller. Auf der Seite findet man nur wenige Hinweise zu konkreten Einstellungen für verschiedene Zielgruppen.

Für uns und unsere Sportler war es durch einfaches Ausprobieren nicht schwierig, den passenden Druck und die optimale Zeit herauszufinden, dennoch wäre gerade in Bezug auf besondere Personengruppen eine Empfehlung durch den Hersteller eine wünschenswerte Hilfestellung.

Alles im Allem sind die Reboots ein sehr hilfreiches und leicht einsetzbares Tool zur Optimierung der Regeneration im Sport. In den höchsten Druckstufen kommt die Anwendung einer Sportmassage sehr nah. Auch in der Verbindung mit anderen Regenerationstools wie BLACKROLL, Flossing oder Wechselduschen, können die Reboots den (gefühlten) Effekt von Regenerationsmaßnahmen erhöhen.

Ein weiterer großer Vorteil, besonders im Nachwuchssport ist, dass die Reboots auch während der Busfahrt nach einem Spiel oder zu Hause am Schreibtisch benutzt werden können und somit Freiraum für andere Aktivitäten (Schule, Universität) schaffen.

Auch wenn wir uns eigentlich wünschen würden, dass die Sportler sich voll und ganz auf die Regenerationsmaßnahmen konzentrieren, sehen wir gerade in der heutigen Zeit, in der die jungen Sportler aufgrund  hoher schulischer und sportlicher Belastung oft kaum noch Freizeit haben, eine große Chance für die Akzeptanz und die Anwendung von Regenerationsmaßnahmen, wenn diese, wie eben mit den Reboots, quasi auch „nebenbei“ durchgeführt werden können.

Wenn Du ein professioneller Sportler, ein Trainer oder Therapeut bist oder bereits viel in den Bereich Regeneration investierst (Ernährung, Schlaf), können die Reboots ein echt nützliches Add-On sein. Für uns gehört eine regelmäßige Anwendung jedenfalls mittlerweile zur Trainingsroutine.

Was kosten die Reboots und wo kannst Du sie kaufen?

Der aktuelle Preis von rund 800 Euro ist im Vergleich zu Konkurrenzprodukten sehr günstig. Darüber hinaus gibt es in Deutschland bereits mehrere Standorte, an denen man die Reboots vor dem Kauf unverbindlich testen kann. Diese findet Ihr unter: https://reboots.de/testen/

Anmerkung: Aus unserem Interesse an und den positiven Erfahrungen mit den Reboots hat sich eine Partnerschaft ergeben. Reboots ist nun offizieller Partner von SoccAthletix – spielend fit werden. Als Partner nehmen wir am Affiliate-Programm teil und erhalten für die Nutzung unserer Codes auch eine kleine Provision. Diese Provision hilft uns dabei, unseren Blog weiter zu betreiben. Wir versprechen, natürlich nur Produkte anzubieten, die wir vorher probiert und für gut befunden haben. Hier findet Ihr noch einmal den Link zur Seite: www.reboots.de

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