Füße – stehen im Fußball oft zu weit unten

„Man weiß die Lösung erst zu schätzen, wenn man das Ausmaß des Problems kennt“ – Mit dieser etwas provokanten Aussage möchten wir in den heutigen Artikel starten. Dabei ist dieser Satz keineswegs ein Vorwurf an Dich , vielmehr sehen wir ihn als Aufforderung an uns.  Seit etwa eineinhalb Jahren beschäftigen wir uns mit dem Thema „Füße“ und hätten niemals damit gerechnet, dass dieses Thema ein solches Ausmaß annehmen würde. Der heutige Artikel soll Dir erste wichtige Informationen über die Bedeutung der Füße im Alltag und vor allem im Sport geben! Hier geht’s direkt zum Artikel.

Unsere Körperhaltung baut sich von den Füßen aus auf, wir alle möchten auf sicheren Füßen stehen – dennoch stehen die Füße auf vielen Trainingsplänen immer noch ganz unten oder finden sogar gar keine Berücksichtigung. Hier besteht Entwicklungsbedarf!

Der heutige Blog-Artikel ist für uns der dritte Teil einer langen Reise zur Wahrnehmung  der  wichtigen Rolle der Füße (nicht nur) im Leistungssport. Wir starteten mit dem Artikel  „Die Fußstatik im Blick – Häufige Probleme im Nachwuchsfußball“, der in der Zeitschrift PT-Physiotherapie des Pflaum Verlags erschienen ist. Es folgte ein gleichnamiger Vortag auf dem Symposium „Prävention im Fußball“ der VBG in der HDI Arena in Hannover.

Nach diesen beiden bedeutenden Stationen haben wir den Inhalt noch einmal neu für Dich und die Leser des SoccAthletix – spielend fit werden-Blogs aufbereitet. An dieser Stelle geht einmal mehr ein großes Dankeschön an Hans Grunner von Science on Field, der uns sowohl bei der Präsentation als auch bei dem Artikel mit viel Arbeit und vielen Bildern unterstützt hat. Danke, Hans!

Nahezu jeder, der unseren Blog besucht, hat ebenso wie Fußball- und/oder Athletiktrainer oder Physiotherapeuten tagtäglich mit vielen unterschiedlichen Sportlern und deren körperlichen Voraussetzungen zu tun.  Und  jetzt mal Hand aufs Herz – Wer beschäftigt sich regelmäßig und intensiv  mit den Füßen oder der Fußstatik seiner Sportler? Wir vermuten, das sind erschreckend wenige.

Sicher weißt Du, dass die meisten Verletzungen im Fußball die Oberschenkel, das Knie- oder oder das Sprunggelenk betreffen. Du weißt auch, dass Du die Bein- sowie die Rumpfmuskulatur Deiner Sportler trainieren solltest, um eine stabile Beinachse sowie eine gute Rumpfstabilität zu erreichen und damit diesen Verletzungen entgegenzuwirken – klar!

Aber wusstest Du auch, dass sich rund ¼ unserer Knochen in unseren Füßen befindet? Oder dass Rund 60 % der Erwachsen mit Fehlstellungen in den Füßen leben?

Nein? Mach Dir keine Sorgen!  Das Training der Füße und Sprunggelenke ist trotz seines großen Einflusses auf die Beinachse ein im Trainingsalltag relativ unbeachtetes und schnell übergangenes Thema. Das wollen wir heute ändern – daher würden wir uns sehr freuen, wenn Du diesen Artikel mit jedem deiner Freunde teilst, der auch mit Sportlern arbeitet.

Die Funktion der Füße ist nicht nur wichtig für eine Leistungsoptimierung, sondern auch für die Prävention von Verletzungen sowie für die allgemeine Gesundheit. In dem folgenden Artikel möchten wir Dir das Thema Füße im Nachwuchsfußball näher bringen, wir konzentrieren uns also auf die Arbeit mit Nachwuchsfußballern – die Idee ist aber genauso auf jüngere Kinder, Erwachsene oder auf andere Sportarten übertragbar.

Anatomie und Funktion der Füße

Unser Körper ist ein Gesamtsystem, bei dem die Füße das Fundament des Körpers und damit die Basis für die Gesamtstatik bilden. Alle Bereiche sind eng miteinander verbunden, seien es Muskeln, Knochen, Bänder oder Sehnen – alles steht im engen Kontakt. Eine Störung in einem Bereich hat auch immer Auswirkungen auf andere Bereiche des Körpers. So hat der Fuß mit seiner Verbindung über das Sprunggelenk mit dem Schien- und Wadenbein einen großen Einfluss auf die Stellung und Funktion der folgenden Gelenke wie Knie- und Hüftgelenk.

Trotzdem wird eine intensive Untersuchung der Füße im Alltag häufig unterschätzt und vernachlässigt.

Zunächst werden wir Dir einen kurzen Überblick über die Anatomie und die Funktion der Füße geben, dann die häufigsten Probleme vorstellen und Dir abschließend unseren Lösungsansatz präsentieren – sodass Du neben theoretischem Wissen auch etwas für Deine tägliche Arbeit aus diesem Artikel nehmen kannst.

Der Fuß setzt sich aus einem knöchernen Gerüst sowie der dazugehörigen Muskulatur, Band- und Sehnenapparat zusammen. Das Gesamtsystem Fuß besteht aus mehr als 26 Knochen, 33 Gelenken, 100 Sehnen, Muskeln und Bändern und gliedert sich klinisch gesehen in 3 Abschnitte:

  1. Fußwurzel (Tarsus)
  2. Mittelfuß (Metatarsus) und
  3. Zehen (Digiti pedis).

Die über Gelenke miteinander in Verbindung stehenden Knochen des Fußes werden über die Muskulatur des Unterschenkels, sowie über die Fußmuskeln bewegt. Das Fußskelett wird durch die an ihm ansetzenden Sehnen, Bänder und Muskeln so verspannt, dass die Knochen nicht plan auf dem Boden aufliegen, sondern eine Kuppel, das Fußgewölbe formen.

Durch das Fußgewölbe wird das Körpergewicht nicht von der gesamten Fußfläche getragen, sondern hauptsächlich von der Ferse, dem Großzehenballen und dem Kleinzehenballen. Mit der Funktion, Belastungen und Stöße wie Sprung- und Laufbewegungen abzufangen und abzudämpfen, spielt das Fußgewölbe auch für die fußballspezifische Leistungsfähigkeit eine bedeutende Rolle.

Veränderungen der Füße 

Durch unser Bewegungsverhalten im Alltag sowie durch den Sport, den wir betreiben, verändern wir die Statik unserer Füße.

Vor allem eine schwache Fußmuskulatur, Bewegungsmangel und das falsche Schuhwerk sind für die Veränderung der Fußstatik ausschlaggebend.

Bei geringer oder auch mangelhafter Bewegung bekommt das Zentrale Nervensystem kein Feedback mehr über die Rezeptoren der Füße und wird so geschwächt. Ein falsches Schuhwerk kann diesen Effekt noch verstärken. Die Zehenmuskeln sowie die Muskeln zwischen den Fußknochen athrophieren, werden also schwächer und verkümmern langfristig. Durch diese ersten Veränderungen kann es u.a. zu einem permanenten Zug auf Achillessehne und Wadenmuskulatur kommen – was langfristig wiederum  Fehl- und Überlastungen und damit  ein erhöhtes Verletzungsrisiko für diese Strukturen verursacht. Auch eine übermäßige Verhornung kann die Statik der Füße nachhaltig verändern.

Ein permanenter Druck durch zu enge und falsch sitzende Schuhe führt zu einer vermehrten Produktion von Hornzellen und es entstehen schmerzhafte Schwielen, die wiederum in einer Veränderung des Gangbildes und damit auch der Gesamtbelastung enden.

Zusammenfassend kann man sagen: Wenn die Füße unter einer Dysfunktion leiden, wird eine optimale Ausführung jeder Bewegung, die auch nur eine leichte Unterstützung der Füße benötigt, unmöglich.

Häufig wirken Bewegungen auf den ersten Blick noch richtig, betrachtet man sie dann genauer, fällt schnell auf, wie stark die Bewegungsqualität unter diesen Fehlfunktionen leidet. Auch andere Fußkrankheiten, Fußdeformationen oder Verletzungen verändern die Statik und die Funktion unserer Füße zum Negativen.

Weitere Erkrankungen der Füße

Folgend wollen wir Dir einige dieser Krankheitsbilder vorstellen. Zu den häufigsten Krankheitsbildern zählen:

  1. der Senkfuß
  2. der Spreizfuß
  3. der Knickfuß und
  4. der Hohlfuß

Ist das Längsgewölbe des Fußes abgesenkt, spricht man von einem Senkfuß. Die Extremform des Senkfußes ist der Plattfuß – hier ist das Längsgewölbe soweit abgesenkt, dass die Fußsohle unter dem Gewölbe vollständig belastet wird. Diese Fußdeformität entsteht durch eine mangelnde Funktion der Muskeln und Bänder, die zu einem Einsinken des Fußlängsgewölbes führt.

Beim Spreizfuß liegt eine gesteigerte Divergenz, also ein vergrößerter Abstand der Mittelfußknochen vor.

Beim Knickfuß führt eine vermehrte Auswärtsdrehung des Fußes, zu einer vermehrten Valgusstellung, also einem Nachinnenfallen der Gelenkachse, der Ferse. 

Der Hohlfuß ist vereinfacht gesagt das Gegenteil vom Senkfuß – das Längsgewölbe ist in diesem Fall verstärkt ausgeprägt. Beim Hohlfuß besteht eine Dysbalance zwischen den Muskelkräften an Fuß und Unterschenkel, wodurch das Fußlängsgewölbe „aufgesprengt“ wird.

Ob Senkfuß, Spreizfuß, Knickfuß, Hohlfuß oder jedwede andere Deformität, eine Veränderung der Statik führt in den meisten Fällen zu einer veränderten Beinachse. Wie bereits in der Einleitung dieses Artikels erwähnt sind die Probleme in Verbindung mit einer fehlerhaften Beinachse weitverbreitet und bekannt – sie führen vor allem über eine veränderte Statik zu einer Fehlbelastung der Knochen und Gelenke. Diese Fehlbelastungen münden wiederum in andere Probleme, häufig mit fatalen Folgen.

Z.B. sind deutliche Fußrotationen – egal ob Pronation oder Supination -, also Einwärts- oder Auswärtsdrehungen ein Auslöser von Knie- und Rückenschmerzen sowie ein großer Risikofaktor für Verletzungen der Kreuzbänder oder anderen Verletzungen der unteren Extremitäten  Rückenschmerzen.

Neben den vorgestellten Veränderungen und Deformitäten konnten wir gerade bei Nachwuchsfußballspielern noch andere feststellen:

  1. Erhöhte Spannung in der Plantarfaszie, also der Faszie unter dem Fuß, die in der hohen Trainingsbelastung, zu engem Schuhwerk oder dem fehlenden Fokus auf Fußpflege begründet liegen könnte.
  2. Unbeweglichkeit der Fußwurzelknochen. Insbesondere Os cuboideum nach einem Inversionstrauma sowie
  3. Unbeweglichkeit im oberen Sprunggelenk

Dieser Abschnitt sollte deutliche machen, dass Probleme mit den Füßen fatale Folgen haben können – trotzdem werden sie gerade von Nachwuchsspielern immer wieder bagatellisiert bzw. suchen die jungen Spieler/Innen erst Unterstützung und Hilfe, wenn es schon zu spät ist.

Nachwuchssportler und ihre Probleme mit den Füßen

Als Athletiktrainer oder Physiotherapeut kommen häufig Spieler mit Schmerzen in den Knie, der Hüfte oder dem Rücken zu uns. Auch Bandverletzungen oder Instabilitäten kommen gerade im Fußball und Hockey häufig vor.

Grund für diese Probleme sind u.a. auch Fehlstellungen der Beinachse, die wiederum in einer Fehlstellung oder Fehlfunktion der Füße begründet liegen. Neben der Trainingsbelastung spielen im Nachwuchsfußball vor allem die Fußhygiene und das Schuhwerk eine bedeutende Rolle bei der Entstehung dieser Probleme.

Die richtige Wahl der Schuhe ist eine große Herausforderung und soll später in diesem Artikel noch einmal aufgegriffen werden.

Um den akuten Verletzungen entgegenzuwirken und negative Langzeitfolgen wie schwerere Verletzungen oder sogar Arthrosen zu vermeiden, setzen wir bei SoccAthletix – spielend fit werden auf ein umfangreiches Präventionskonzept – getreu dem Motto: Prävention statt Rehabilitation.

Prävention statt Rehabilitation

Dieses Konzept zielt auf eine umfassende Prävention der Beschwerden durch eine enge interdisziplinäre Zusammenarbeit ab. Dafür arbeiten wir eng mit Physiotherapeuten sowie mit Experten ( Ärzten oder/und  Fußspezialisten) zusammen.

Nach einer Anamnese durch uns, raten wir allen unseren Sportlern zu einer umfangreichen sportärztlichen Untersuchung mit einer Eingangsdiagnose, die neben der Betrachtung der Füße, einer orthopädischen Gesamtuntersuchung u.a. auch Überprüfung des Zehengangs umfasst, um sowohl die Mechanik als auch die Verwringung im Fußgewölbe bereits gut darzustellen.

Nach der sportmedizinischen Untersuchung können wir eine statische Barfußmessung sowie die dynamische Messung sowohl barfuß und als auch im Sportschuh mit unseren Sportlern durchführen.

Dafür nutzen wir den Foot Scan der Firma Rsscan International.

Der Foot Scan ist eine Druckmessplatte mit hoher Messfrequenz und großer Sensordichte. Mit Hilfe der Analyse können wir eine Bewertung der dynamischen Druckverteilung in unterschiedlichen Bewegungssituationen vornehmen. Eine solche Messung ist im Rahmen einer umfangreichen Diagnostik von großer Bedeutung, da eine valide visuelle Beurteilung des Abrollverhaltens auf Grund der Komplexität nicht möglich ist.

 

Eine regelmäßige Erhebung dieser Daten kann frühzeitig wachstumsbedingte Veränderungen zeigen und die Grundlage für ein effektives Rehabilitationsprogramm nach Verletzungen im Bereich des Sprunggelenks, des Kniegelenks, sowie bei muskulären Dysbalancen bilden.

Integration des Konzeptes in den Trainingsalltag

Die Ergebnisse der sportmedizinischen Untersuchung, des Footscans sowie unserer weiteren Leistungsdiagnostik lassen wir dann in ein entsprechendes Präventionsprogramm einfließen.

Übungen vor allem zur Stabilisierung der Beinachse und zur Verbesserung der Propriozeption wie z.B. auf Terrasena Platten sowie Mobilisationsübungen vor allem der Plantarfaszie, der Waden und des Fußrückens, um die Spannung zwischen Fuß und Schienbein zu lösen, sind ebenso Teil unseres Trainings wie das barfuß Laufen bzw. das barfuß Trainieren zur weiteren Verbesserung der Propriozeption und Stärkung der Fußmuskeln. Weiter umfasst dieses Programm Übungen zur Stabilisation und Mobilisation, sowie Übungen mit der Blackroll und manuelle Mobilisationstechniken.

Die Spieler erhalten ein individualisiertes Trainingsprogramm, das sie dann entweder direkt vor dem sportartspezifischen Training oder in Individualeinheiten mit dem Therapeuten oder Reha-Trainer durchführen können.

Folgend möchten wir Dir einige Übungen vorstellen:

Das richtige Schuhwerk

Ein wichtiges Thema, das wir künftig  auch in unser Fußkonzept mit aufnehmen wollen, ist eine professionelle Schuhberatung. Der Schuh ist gerade im Fußball ein wichtiges Werkzeug  und damit zu bedeutend, um nach rein optischen Gesichtspunkten ausgesucht zu werden.

Aber wenn Du dir das Schaubild anschaust, siehst Du schnell, dass bei der Auswahl des richtigen Schuhwerks eine Menge Personen beteiligt sind, die zunächst von der Bedeutung gesunder Füße und einem entsprechenden Schuhwerk überzeugt werden müssen. Schuhe werden vor allem nach Marke oder Optik gekauft oder von Sponsoren zur Verfügung gestellt. Daher ist es für uns von großem Interesse, dass Du diesen Artikel nicht nur liest, sondern auch mit Deinen Freunden und Kollegen teilst!

Take-Home Massage 

Und damit sind wir auch schon am Ende unseres Artikels und wir hoffen, wir konnten Dich etwas für die Thematik „Füße“ begeistern und Dir einen kleinen, aber spannenden Einblick in unsere Arbeit geben. Für die Arbeit mit Deinen Sportlern möchten wir Dir noch folgende Punkte mitgeben:

  1. Überprüfe doch einmal die Füße Deiner Sportler
  2. Achte darauf, dass die Sportler gutsitzendes Schuhwerk tragen und dieses nicht untereinander tauschen
  3. Integriere immer wieder Übungen zur Mobilisation und Stabilisation der Füße in Dein Training
  4. Trainiere immer wieder einmal barfuß
  5. Rate Deinen Sportlern dazu, regelmäßig einen professionellen med. Fußpfleger aufzusuchen

Dir hat der Artikel gefallen? Dann lass es uns wissen!  Kommentare, Feedback, Kritik und Verbesserungsvorschläge sind uns immer willkommen! Denn nur über den Austausch mit Euch können wir dazulernen! Lasst uns alle gemeinsam spielend fit werden!

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