Das Funktionsteam im Fußball – Möglichkeiten für einen Traumjob

Die Saison 2017/ 2018 hat begonnen und die meisten Mannschaftsfotos der Profi-Mannschaften sind veröffentlicht – und was fällt besonders auf? Richtig! Das Funktionsteam wird von Jahr zu Jahr größer. Mittlerweile nehmen Trainer und Angestellte gerade bei den großen Vereinen eine ganze Reihe auf dem Mannschaftsfoto ein. Trainer, Co-Trainer, Torwarttrainer, Athletiktrainer, Manager, Team-Manager und so weiter und so fort – die Aufgabenfelder scheinen schier unendlich. Und auch im Amateurfußball wächst die Anzahl an Mitarbeitern stetig. In unserem heutigen Artikel wollen wir das Funktionsteam einmal genauer unter die Lupe nehmen und die einzelnen Tätigkeiten vorstellen. Natürlich wollen wir uns dabei vor allem auf die sportwissenschaftlichen-/ sportmedizinischen Bereiche konzentrieren.

Der Trainer und seine engsten Vertrauten

Diese Gruppe brauchen wir wahrscheinlich am wenigsten behandeln. Die Aufgaben und Funktionen des Chef-Trainers und seines Co-Trainers sind allgemein bekannt. In den meisten Vereinen zählt auch der Torwarttrainer zu diesem engen Kreis. Die Anforderungen an einen Chef-Trainer sind mittlerweile so vielfältig, dass er diese alleine gar nicht mehr bewältigen kann.

Hier kommt sein Trainerteam ins Spiel. Im Profi-Fußball gibt es meist mehr als einen Co-Trainer – diese werden auch häufig als Assistenz-Trainer bezeichnet, um keine Wertung der verschiedenen Aufgaben vorzunehmen. Je nach Chef-Trainer übernehmen die Assistenz-Trainer verschiedene Aufgaben. Es gibt Assistenz-Trainer, die ausschließlich für bestimmte Spielergruppen wie z.B. Stürmer verantwortlich sind. Andere Assistenz-Trainer übernehmen die komplette Gegnervorbereitung und coachen das „gegnerische“ Team im Abschlusstraining. Der Co-Trainer übernimmt aber immer eine beratende Funktion – kein Wunder also, dass bei einem Trainerwechsel meist auch die Co-Trainer den Verein verlassen und der neue Chef-Trainer im Gegenzug seine Vertrauten mitbringt.

Auch im Amateurfußball übernehmen häufig mehr als zwei Trainer die Leitung einer Mannschaft. Hier liegt der Grund für eine Aufgabenteilung jedoch eher in der zeitlichen Herausforderung; das Trainieren einer Mannschaft wird meist neben der hauptberuflichen Tätigkeit angenommen und ausgeführt. Trotzdem kommt es vor allem in diesem kleinen Team auf völliges Vertrauen und eine gute Zusammenarbeit an.

Der moderne Fußball stellt neben den fußballerischen Fähigkeiten auch hohe Anforderungen an die Körper der Spieler – daher rücken sportwissenschaftliche und sportmedizinische Berufsgruppen immer mehr in den Fokus. Diese (oft auch externen) Mitarbeiter übernehmen eine Experten-Funktion und beraten das Trainerteam bei entsprechenden Fragestellungen.

Sportwissenschaftliches und sportmedizinisches Personal

Einer der wichtigsten Vertrauten der Spieler ist der Physiotherapeut. Abgesehen vom Profi-Fußball verfügen die wenigsten Vereine über einen Mannschaftsarzt. Daher ist der Physiotherapeut in der Regel der erste Ansprechpartner der Spieler für alle Gesundheitsfragen. Außerdem übernimmt er die medizinische Erstversorgung auf dem Platz. Zusätzlich übernimmt der Physiotherapeut die Vorbereitung der Spieler. Viele Spieler lassen sich für das Training oder das Spiel tapen – v.a. die Sprunggelenke werden dabei durch das Tape zusätzlich stabilisiert. Nach einem Training oder an freien Tagen kommen die Spieler gern und lassen sich vom Physiotherapeuten behandeln – hier werden v.a. Massagen häufig angewendet.

Auch in der Nachbehandlung von Verletzungen spielt der Physiotherapeut eine wichtige Rolle. Gerade bei längeren Verletzungen verbringen Spieler und Physiotherapeut viel Zeit miteinander. Neben einer fachlichen Qualifikation sollte der Physiotherapeut also auch eine hohe Sozialkompetenz haben. Neben der engen Zusammenarbeit mit den Spielern arbeitet der Physiotherapeut auch mit dem Trainer zusammen. Er informiert diesen über den Gesundheitszustand/ Erholungszustand der Spieler und gibt seine Einschätzung über die Einsatzfähigkeit einzelner Spieler.

Ein Bindeglied zwischen Physiotherapeut und Trainerteam ist der Rehabilitationstrainer. Der Reha-Trainer verbindet meist ein sportmedizinische und eine sportwissenschaftliche Ausbildung miteinander und übernimmt das Training der verletzten Spieler. Die Beschäftigung eines Reha-Trainers macht dann Sinn, wenn dieser auch umfangreiche Kenntnisse aus dem Fußball mitbringt. So kann der Reha-Trainer die Übungen so gestalten, dass dem verletzen Spieler eine möglichst sportartspezifische Vorbereitung auf die Rückkehr auf den Fußballplatz gewährleistet werden kann. Sobald der Spieler vollständig ausgeheilt ist, übernimmt der Athletiktrainer.

Die Hauptaufgaben der Athletiktrainer beziehen sich auf die Bereiche der Steigerung der sportartspezifischen Leistungsfähigkeit sowie die Prävention von Verletzungen.

Die TSG aus Hoffenheim beschäftigt sogar einen eigenen Athletiktrainer, der sich ausschließlich um die Prävention von Verletzungen kümmert. 

Die Basis der Arbeit eines Athletiktrainers bildet das sportartspezifische Belastungsprofil der Sportart Fußball.  Im Rahmen seiner Aufgabenstellung ergeben sich vielfältige Tätigkeiten. Natürlich übernimmt der Athletiktrainer vor allem die Durchführung des Warm-Ups sowie die Trainingsplanung und – durchführung im Bereich Athletik. Dazu führt er auch Einheiten zum Ausgleich individueller Defizite in den Bereichen Kraft, Ausdauer, Schnelligkeit, Beweglichkeit, Stabilität und Koordination durch. In den letzten Jahren ist die Bedeutung des Athletiktrainers zunehmend gestiegen. So übernimmt der Athletiktrainer bei vielen Vereinen mittlerweile die Trainingsplanung und Belastungssteuerung und beobachtet des Training. Anschließender tausch er sich mit dem Trainerstab über die Verfassung der Spieler und plant entsprechender Maßnahmen zur Leistungssteigerung. Der Athletiktrainer steht im engen Austausch mit dem Physiotherapeuten, dem Reha-Trainer und dem Trainerteam und fungiert häufig auch als Vermittler unter allen Beteiligten (Trainer, Physiotherapeut, Ärzte und Spieler)

Das Aufgabenprofil des Athletiktrainers kann je nach finanziellen Möglichkeiten des Vereins weiter konkretisiert werden. So gibt es in vielen Vereinen einen Leistungsdiagnostiker und einen Datenanalysten.

 Der Leistungsdiagnostiker führt eine körperliche Anamnese der Spieler und entsprechende Funktions- und Leistungsdiagnostik (FMS, Sprinttest etc.) durch. In Zusammenarbeit mit dem Trainerteam und dem Athletiktrainer gibt er Trainingsempfehlungen.

Der Datenanalyst erhebt Daten und wertet diese aus. In der Zeit von GPS-Tracking kann der Analyst diese Datenerhebung und Auswertung in Echtzeit durchführen. So können z.B. Herzfrequenzen und Laufdistanzen auf einem Laptop aufgezeichnet werden und Auskunft über die Belastung der Spieler geben. In Zusammenarbeit mit dem Trainerteam und dem Athletiktrainer kann der Analyst Empfehlungen zur Belastungssteuerung geben.

Die sportwissenschaftliche Betreuung einer Fußballmannschaft kann noch weiter gesteigert werden. Ein Videoanalyst, der die Spiele der eigenen und der gegnerischen Mannschaft auf Basis verschiedener Kriterien analysiert gehört mittlerweile zum Bestandteil jeder ambitionierten Mannschaft. Auch bei der Datenerhebung kann es nicht genug Personal geben – spanische Top-Klubs beschäftigen bis zu 5 Sportwissenschaftler die alle nur denkbaren Daten rund um die Mannschaft aufnehmen und verwerten. Auch Ernährungsberater-innen erhalten immer mehr Einzug in den Fußball. Mit ihrer Hilfe soll die Ernährung optimiert und damit die Leistungsgesteigert werden.

Dieses Team wird noch um den Zeugwart, der verantwortlich für die Ausstattung der Mannschaft und der Kabine ist sowie einen oder mehrere Betreuer, die sich um das Wohlergehen der Mannschaft kümmern.

Fazit

Wie der Artikel zeigt, sind die Aufgaben innerhalb des Funktionsteams einer Fußballmannschaft enorm gestiegen. Diese Entwicklung bringt den Fußballsport in seiner Qualität voran. Durch die Experten steigt die Trainingsarbeit und die Betreuung der Spieler. Die vielen Trainerpositionen ermöglichen vielen Fußballbegeisterten einen echten Traumjob. So strömen Sportstudenten und Trainer in den Fußball und machen ihr Hobby zum Beruf.

Die Entwicklung birgt aber auch Gefahren. Die neuen Möglichkeiten der Datenerhebungen führen zu einer Verwissenschaftlichung des Fußballs. Viele Mitarbeiten führen auch zu einem hohen Konfliktpotenzial. Es gilt die verschiedenen Expertisen und Meinungen unter einen Hut zu bringen und zum Wohle der Mannschaft zu entscheiden. Dafür ist eine vertrauensvolle Arbeit wichtig. Sind diese Voraussetzungen gegeben, bieten verschiedene Mitarbeiter tolle Möglichkeiten für eine Trainingsoptimierung. Weitere Informationen erhältst Du wie immer unter www.soccathletix.de oder auf www.facebook.de/soccathletix

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